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3. Jan. 2023

Nachhaltigkeit im Internet – wie Ottervideos der Umwelt schaden (Teil 1)

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Otter

Wir tun es (fast) alle – ob mit dem Smartphone, dem Tablet oder am Computer – ca. 57 Millionen Menschen[1] allein in Deutschland sind jeden Tag im Durchschnitt knapp 4 Stunden im Internet unterwegs[2]. Weltweit ist die Digitalisierung damit für drei Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich, Tendenz steigend. Wir schlüsseln dir in diesem Beitrag auf, wie hoch unser täglicher Energiebedarf in den sozialen Netzwerken ist und wie wir die Nachhaltigkeit im Internet durch unser digitales Verhalten verändern können.

Wofür nutzen wir das Internet eigentlich?

Mal eben schnell was googeln, hier ein neues Video, da ein lustiger Clip, eine neue Nachricht oder nur mal eben das Wetter checken. Im Jahr 1989 erfand Tim Berners-Lee die Sprache, mit der im Internet verbundene Computer ihre Daten austauschen konnten. Via Links konnte damit auf Internetseiten zugegriffen werden – das World Wide Web war erfunden. Doch keiner konnte ahnen, welch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung damit einhergehen würde. So steckte ursprünglich hinter der Idee im Jahr 1969, leistungsstarke Großrechner von Militär, Rüstungsindustrie und Forschung zu vernetzen. Doch seit den 1990er Jahren gewann das Internet auch bei Menschen außerhalb der Forschung oder des Militärs immer mehr an Bedeutung. Heutzutage  kann sich kaum ein Mensch vorstellen, ohne Internetverbindung zu leben. Laut der ARD/ZDF Onlinestudie 2022 nutzen mittlerweile 95 Prozent der deutschen Bevölkerung das Internet. Doch wie funktioniert das Internet eigentlich?

Stellen wir uns vor, Du möchtest dir ein neues, putziges Otter-Video ansehen (und ja, sie sind wirklich wahnsinnig süß! 💖). Vielen Nutzer:innen ist nicht bewusst, dass Mailen, Surfen und Streamen sehr viel Energie benötigt. Denn bevor Du in Verzückung über diese süßen Tierchen ausbrechen kannst, muss die Datei durch verschiedene Server geleitet, Suchanfragen verwaltet und gespeichert werden. Das alles verbraucht Energie. Viel Energie. Denn die Server laufen 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Für eine optimale, konstante Nutzung müssen die Serverräume klimatisiert und bei 22 bis 24 Grad Celsius gehalten werden.[3]

Die Frage des Energieverbrauchs

Wieviel Energie genau für deine Suchanfrage -nehmen wir zum Beispiel bei Google- benötigt wird, ist schwer zu ermitteln. Zwar kann man laut einer Studie des Thinktanks “The Shift Project” von einem ungefähren Wert von 0,3 Wattstunden ausgehen, doch der Wert schwankt und wird durch mehrere Faktoren beeinflusst: die Schwere der Suchanfrage, die Serverauslastung und die Außentemperatur. Denn je wärmer es draußen ist, desto mehr Energie wird benötigt um die Serverräume zu kühlen. In Schweden wollen sie diese Abwärme im Fernwärmenetz nutzen. Das ist so viel, dass sie bis 2035 ein Zehntel des Heizbedarfs von Stockholm ersetzen kann.[4]

Leider fehlt es in Deutschland bisher an der Bereitschaft, die Abwärme von Rechenzentren aktiv zu nutzen oder die Betreiber hinsichtlich der Widerverwertung in die Pflicht zu nehmen.

Insgesamt verbrauchten Rechen- und Serverzentren in Deutschland im Jahr 2020 bereits 16 Mrd. kWh Strom, Tendenz steigend.[5]Einen großen Teil des erhöhten Energiebedarfs trägt die Nutzung von Cloud Diensten bei. Bis 2025 wird ein Anteil von 60 Prozent des Energiebedarfs allein für diese Dienste benötigt.

Wieviel CO2 verbrauchen Social Media Dienste und Streaming Angebote?

Eins ist klar: jeder abgesetzte Tweet, jedes Video, jede Nachricht, jedes Foto, jedes Musikstück, das Du dir über einen Streamingdienst anhörst, … all das verbraucht Energie.
Schauen wir uns doch die einzelnen Social Media Kanäle etwas genauer an.

Die gute alte E-Mail war ja sozusagen der allererste „Social Media Kanal“. Nicht in dem Sinne, wie wir es heute kennen, aber doch eine neuartige Möglichkeit, digital miteinander zu kommunizieren. Als offizieller Erfinder der E-Mail gilt der amerikanische Informatiker Ray Tomlinson. Er verschickte 1971 die erste Mail von einem Rechner zum anderen und revolutionierte damit die Welt der Nachrichtenübermittlung. Doch auch das Versenden einer E-Mail benötigt Energie. So verbraucht eine E-Mail ungefähr 4 Gramm CO2, mit Anhang um die 50 Gramm, also deutlich mehr.

Zur Veranschaulichung, was alles in einer Minute im Internet passiert und Energie verbraucht, findest Du hier eine Grafik für das Jahr 2021. Auch wenn diese Zahlen zumeist auf Schätzungen und Annahmen beruhen bieten sie doch einen guten Hinweis. So wurden im Jahr 2021 ca. 285 Milliarden E-Mails pro Tag versendet und empfangen. Laut Prognose sollen sich diese Zahlen noch erhöhen, so dass im Jahr 2025 um die 376 Milliarden E-Mails pro Tag unterwegs sind und damit ca. 140 Millionen Tonnen CO2 benötigen. Ein großer Energiefresser sind Spam-Mails, die ca. 55 Prozent der versendeten und empfangenen Mails ausmachen.[6]

Statistische Darstellung über die Ereignisse pro Minute im Internet.
https://de.statista.com/infografik/2425/das-passiert-in-einer-minute-im-internet

Was bedeutet „Green Computing“ für die Nachhaltigkeit im Internet?

Der meiste Strom wird für Streamingdienste wie Netflix, Prime, Amazon usw. benötigt, danach folgen die Bereiche Web (suchen, recherchieren, lesen) und Gaming. So verbraucht eine Stunde Netflix bei Full-HD-Auflösung ca. drei Gigabyte Daten. Streamingdienste weltweit verursachen insgesamt 300 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Wenn Du also ein 30-minütiges Video streamst setzt das in etwa soviel CO2 frei wie eine sechs Kilometer lange Autofahrt.

Die großen Umweltsünden verursachen demnach Streamen von Netflix oder Amazon-Serien, Pornofilme, YouTube und Videos per WhatsApp.[7]

Vielen großen Anbietern ist dieses Problem mittlerweile bewusst und sie unternehmen Anstrengungen, die Kosten für den hohen Stromverbrauch zu reduzieren und auf „Green Computing“ umzusteigen. So produziert Apple eigenen, klimaneutralen Strom aus erneuerbaren Quellen und auch Google setzt mithilfe von KI auf die Reduzierung seines Energieverbrauchs. Es ist jedoch erstaunlich, dass in der Gesellschaft das Problem des Energieverbrauchs im Internet noch keinen allzu großen Stellenwert hat. Wenn man bedenkt, dass die digitale Technologie für vier Prozent des Ausstoßes an Treibhausgasen verantwortlich ist, wird damit sogar der klimaschädliche Luftverkehr übertroffen. Und ähnlich wie beim Flugverkehr wird der Verbrauch mit jedem Jahr steigen. Wem der Klimaschutz am Herzen liegt, sollte also nicht nur auf das Fliegen verzichten, sondern auch seinen Datenkonsum hinterfragen.

Im zweiten Teil unseres Beitrages stellen wir uns die Frage, was und wie wir etwas ändern können, um Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu entlasten.

Über 250.000 Haushalte wurden
letztes Jahr von uns heiß gemacht.

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